CHARGE-Syndrom

Erkrankung Gen OMIM
CHARGE Syndrom CHD7, SEMA3E 214800

Das CHARGE-Syndrom (Akronym für Coloboma, Heart Anomaly, Choanal Atresia, Retardation, Genital and Ear Anomalies) ist ein Fehlbildungssyndrom mit einer Häufigkeit von 0,1-1,2/10.0001.

Klinik / Indikation

Hauptkriterien:

  • okuläre Kolobome der Iris, Retina und Chorioidea mit und ohne Mikrophtalmus
  • Choanalstenose oder –atresie, uni- oder bilateral
  • Funktionsstörung der Hirnnerven I (Hypo-Anosmie), VII (Fazialisparese), VIII (Hörstörung), IX/X (Schluckstörung mit Aspiration)
  • Malformation des äußeren Ohres, knöcherne Fehlbildungen, Mondini Defekt der Cochlea, fehlende bzw. hypoplastische Bogengänge

Nebenkriterien:

  • Genitalhypoplasie (Kryptorchismus im männlichen, hypoplastische Labien im weiblichen Geschlecht, hypogonadotroper Hypogonadismus bei beiden Geschlechtern)
  • Entwicklungsverzögerung, muskuläre Hypotonie
  • kardiovaskuläre Fehlbildungen (z.B. Fallot-Tetralogie, AV-Kanal, Aortenbogenanomalien)
  • Wachstumsstörung
  •  Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
  • Tracheoösophageale Fisteln
  • Charakteristische Fazies

Zusätzlich wurden folgende Symptome beschrieben, die vereinzelt bei Patienten mit CHARGE Syndrom zu beobachten sind: Fehlbildungen der Nieren (Doppelnieren, Hufeisenniere), Skoliose, Keilwirbel, Spalthand- und Spaltfuß, Polydaktylie, atypische Handlinienzeichnung. Die kognitiven Fähigkeiten von Patienten mit CHARGE-Syndrom variieren von geistiger Behinderung ohne Sprachentwicklung bis hin zu annähernd normaler intellektueller Entwicklung.

Quelle: GeneReviews

Genetik

Das CHD7-Gen (OMIM 608892) ist in der chromosomalen Region 8q12.2 lokalisiert, es besteht aus 37 codierenden Exons (und einem nicht-codierenden Exon), die 2997 Aminosäuren codieren. Dieses Gen enthält die Information für das Chromodomänen-Helikase-DNA-bindende Protein 7. Es ist aus den folgenden Domänen aufgebaut:

  • terminale Chromodomäne (bindet an methylierte Formen der Aminosäure Lysin an den Histonen und ist somit in die Prozesse der Chromatinstrukturveränderung involviert)
  • ATPase/Helikase-Domäne (ATPase setzt Energie aus ATP frei, die die Helikase für die Durchführung von Veränderungen an der Chromatinstruktur benötigt)
  • DNA-bindende Domäne

Die Pathogenese des mutierten CHD7-Proteins ist noch nicht vollständig verstanden. Alle Fehlbildungen des Feten entwickeln sich bereits im ersten Trimester der Schwangerschaft.

Die Mutationen im CHD7-Gen entstehen meist de novo. Es sind aber auch familiäre Fälle mit milder phänotypischer Ausprägung bei einem der beiden Elter bekannt. Die Detektionsrate für kleinere Sequenzveränderung liegt bei 75%1. Deletionen einzelner / mehrerer Exons sowie Mikrodeletionen in der Region 8q12.1 liegen in 5%2 der Fälle vor.

[1] Blake et al. 2006, Orphanet J Rare Dis. 7: 1-34

[2] Blake et al. 2011, Eur J Hum Genet. 19: doi: 10.1038/ejhg

Diagnostik

Der Bearbeitungszeitraum liegt bei 6 Wochen. Für den Nachweis bzw. Ausschluss einer bereits bekannten Mutation bei weiteren Familienmitgliedern ist ca. 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2-3 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Probe ungekühlt im Transportröhrchen.

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