Cohen Syndrom

Erkrankung Gen OMIM
Cohen Syndrom COH1 216550

Klinik / Indikation

Das Cohen Syndrom ist eine seltene autosomal-rezessive Erkrankung.

Nach Aufklärung der molekulargenetischen Grundlage wurde in den letzten Jahren der Phänotyp Betroffener genau beschrieben und verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass das klinische Bild des Cohen Syndroms, das für finnische Patienten als sehr homogen beschrieben wurde, für andere Populationen deutlich weiter gefaßt werden muß. Das als Mirhosseini-Holmes-Walton Syndrom bekannte Krankheitsbild ist heute dem Cohen-Syndrom zuzuordnen.

Die klinische Manifestation bei nicht-finnischen Patienten ist äußerst variabel; kein Symptom ist pathognomonisch. Als wichtigstes diagnostisches Kriterium ist eine im Alter von etwa 5 Jahren manifeste progressive Augensymptomatik anzusehen.

Folgende Symptome sollten an ein Cohen Syndrom denken lassen:

  • Mentale Retardierung (meist moderat, selten schwer)
  • Sprachliche Retardierung
  • Progressive Augensymptomatik (Myopie, Pigmentretinopathie)
  • Postnatale Mikrozephalie
  • Typische Gestalt (Kleinwuchs, Stammfettsucht, schlanke Extremitäten, schmale Hände und Füße, faziale Dysmorphie mit antimongoloider Lidachse, kurzem Philtrum und offenstehendem Mund)
  • Intermittierende Neutropenie

Genetik

Durch Kopplungsuntersuchungen bei finnischen Patienten wurde auf eine Kandidatengen-Region auf dem langen Arm von Chromosom 8 geschlossen (Kolehmainen et al.: Eur. J. Hum. Genet., 5 (4), 206-213, 1997). Im Jahr 2003 konnten dann Mutationen im COH1-Gen (auch als VPS13B bezeichnet) als ursächlich für das Cohen-Syndrom identifiziert werden. (Kohlemainen et al.: Am. J. Hum. Genet., 72 (6), 1359-1369, 2003).

Das Gen kodiert für ein 4022 Aminosäuren großes Transmembran-Protein, das vermutlich am intrazellulären, vesikelabhängigen Proteintransport beteiligt ist. Die genaue Funktion des COH1-Proteins ist bisher aber nicht bekannt.

Mehr als 50 Mutationen im COH1-Gen sind bisher im Zusammenhang mit dem Cohen Syndrom berichtet, dabei führen die meisten Mutationen zu einem vorzeitigen Stoppcodon. Während bei finnischen Patienten in 75 Prozent der Fälle die Mutation c.3348_3349delCT gefunden werden kann, liegen in anderen bisher untersuchten Populationen meist private Mutationen vor, die eine Analyse des gesamten COH1-Gens nötig machen.

Diagnostik

Der Bearbeitungszeitraum beim Indexpatienten liegt bei etwa 6 Wochen. Für den Nachweis bzw. den Ausschluß bereits bekannter Veränderungen bei weiteren Familienmitgliedern ist etwa 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

Menü